KJS Düsseldorf und Mettmann e.V.
im Landesjagdverband NRW e.V.

Das grüne Abitur - mehr als eine Formsache

Der  Naturfreund blättert fasziniert im rund tausend Seiten umfassenden Standardwerk aller Jägerlehrlinge und springt vom Haarwild über das Federwild zum jagdlichen Brauchtum. Er ist einer der jährlich 11.000 Deutschen, die gerne Jäger werden möchten.

Warum die Jägerprüfung auch Grünes Abitur heißt, wird spätestens klar, wenn man sich der umfangreichen schriftlichen und mündlichen Prüfung und der Schießprüfung mit Büchse und Flinte auf Scheibe und Tontauben gestellt hat. Wie beim Abi so ist auch bei der Jägerprüfung im Mai eine Fremdsprache Pflichtfach. In der Jägerfachsprache heißt Mutter Wildschwein Bache, ihr halbstarker Sohn ist ein Überläufer und obwohl alle doch eher bräunlich aussehen, gehört die ganze Sippschaft zum Schwarzwild.

Leider sind monatelange, intensive Vorbereitung, Entbehrung von Freizeit und Familie nicht immer mit Erfolg gekrönt, denn die Durchfallquote liegt bundesweit bei 25%. Bei den meisten haperts am Schießen.

Erfolgreiche Prüfungskandidaten bleiben trotz ihres Alters drei Jahre lang Jungjäger. Ein Zeitraum, in dem er von erfahrenen Jägern lernt und in zahlreichen Reviergängen Praxis erlangt. Erst dann ist er berechtigt, ein Jagdrevier zu pachten. Damit erhält er aber nicht nur das Recht zum Erlegen von Wild, sondern gleichzeitig nimmt man ihn in die Pflicht. Denn in den Abschußplänen der unteren Jagdbehörde werden jährlich für bestimmte Wildarten Abschußquoten festgelegt, die erfüllt werden müssen. Als Jäger muß er dafür Sorge tragen, daß keine Wildart überhand nimmt und damit anderen Arten und dem Wald schadet.

Gesetzliche Grundlagen

Jäger wird nur, wer gleichzeitig ein bißchen Wildbiologe, Naturschützer, Förster, Büchsenmacher, Tierarzt, Hundeführer, ja sogar Jurist ist. Besonders die Juristerei ist ein Gebiet, das man nicht sofort mit dem Thema Jagd in Verbindung bringen würde. Aber da gibt es das Jagd-, Waffen-, Bundesartenschutzgesetz und viele Vorschriften mehr, in denen festgelegt ist, wer was, wann und wie erlegen darf. Wenn der Jäger im Dschungel dieser Paragraphen dennoch trifft, schreibt ihm die Fleischhygieneverordnung eindeutig vor, wie er das erlegte Wild behandeln muß, damit es als Wildbret hygienisch einwandfrei die Küche des Feinschmeckers erreicht.

Training auf dem Schießstand

Übung macht den Meister
Ein bis zwei Abende pro Woche fallen bei allen angehenden Waidmännern und -frauen des Vorbereitungskurses schon jetzt der Jagdleidenschaft zum Opfer. Je nach Bundesland dauert der Kurs sechs bis zwölf Monate. Doch zuerst ist alle Jagd nur blasse Theorie. Gelernt wird anhand ausgestopfter Tieren (Präparaten), Geweihe und natürlich mit Hilfe der ausführlichen Fachliteratur. Da ein guter Schütze allein noch längst kein guter Jäger ist, aber ein guter Jäger unbedingt ein guter Schütze sein muß, gehts am Wochenende zum Training auf den Schießstand.

Soviel Einsatz kann sich dann schon mal negativ auf den Haussegen auswirken. Die alten Hasen unter den Ausbildern raten ihren Schützlingen in diesem Fall: "Stellt Euren Lieben daheim für die Zeit der Jägerausbildung am besten ein schönes Bild von Euch hin, damit Ihr nicht in Vergessenheit geratet!"

Der zukünftige Jäger braucht das richtige Feeling für Wild, Wald und Natur.

Darum geht es an den Wochenenden immer wieder ins Revier. Draußen ist es nicht damit getan, die Fährte  eines Rehs von der eines Wildschweins zu unterscheiden. Die Tiefe des Abdrucks verrät dem erfahrenen Jäger, wie schwer und damit wie alt das vorbeigezogene Tier war.

Aus der Vielzahl solcher Beobachtungen kann der Jäger Bestandsdichte und Zusammensetzung der Wildarten im Revier abschätzen.

Die Jagdscheinaspiranten lernen außerdem wie man Hecken, Ackerrandstreifen und Wildäcker anlegt, die dem Wild und vielen anderen nichtjagbaren Tierarten neuen Lebensraum bieten sollen.

 

 

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